20.2.1968

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Aufzeichnung vom 20.2.1968

Gegen die Geometrie, denn die moderne Mathematik hat nichts mit ihr zu tun.
Gegen die Illusion, denn sie hat mit Kunst nichts zu tun.
Gegen den Mythos, denn er kann die Dinge nicht mehr transzendieren, – die Konservenbüchse als Realitätsmythos.

Für die Zahl, ihre Verdichtung, für die Typologie, denn dies sind Anliegen der modernen Mathematik.
Für die Bildgestaltung der Farbe, denn sie ist Ausdruck des modernen, geistig unabhängigen Menschen.
Für die Therapie, denn sie ist für den modernen Menschen unerläßlich.

Der Künstler ist nicht mehr Titan, der Künstler ist auch nicht Ästhet, auch nicht Prophet und schon gar nicht Lehrer. Der Künstler als Therapeut wider Willen. Seine Bilder wirken therapeutisch. Als Mensch unserer Zeit trägt er das Signum unserer Zeit – so ausgesprochen wie nur denkbar und bewußt –: die Gespaltenheit in Bewußtheit und Primitivität, er ist wie seine Mitmenschen ein schizothymer Typ. Er inszeniert in seinen Bildern in Sichtbarkeit die Zusammenführung von Bewußtheit und Primitivität. Er macht die schizothyme Anlage der Menschheit sichtbar.

Über den Autor

von E.W.Nay