Aus einem Brief an Jörg von Manz
[…] Der Auftrag[1] ist mir erteilt. Ich habe Lust ihn mit Ihnen deshalb auszuführen, weil ich große Fabriken für solche Aufgaben nicht mag. Der kleine, abseits lebende Betrieb ist mir lieber.Ich gebe Ihnen den Auftrag unter folgenden Bedingungen, die als vollkommen bindend anzusehen sind: Beiliegend bekommen Sie für eine Woche die Aquarellvorlage, die für die Farben für Sie absolut bindend ist. Daß es diese Farben für Keramik gibt, ist bekannt, auch mir bekannt. Ein ›irgendwie‹ gibt es nicht.
Die Farben müssen ganz genauso herauskommen wie im Entwurf. So bitte ich Sie, einige Platten selbst vorzubereiten und die dem Modell beiliegende Farbskala darauf in kleineren Mengen nebeneinander aufzuführen, zu brennen und mir das Ergebnis zu zeigen. Oder die Sache solange zu wiederholen, bis die Identität mit den Farben des Entwurfs gegeben ist.
Dies ist die erste Prüfung. Die zweite ist, mit mir zusammen drei bis sechs Platten nach dem Modell herzustellen, vorausgesetzt, daß die Farbherstellung Einigkeit erzielt hat, zu brennen, und das Ergebnis, falls bisher ungenügend, zu wiederholen, bis jene klare Farbigkeit und Freiheit erreicht ist, die ich mit meinem Modell vorschlage.
Sollten die beiden Prüfungen ergebnislos sein oder ein ›irgendwie‹ nur erreichen, muß ich Ihnen den Auftrag wieder entziehen, denn erstens bin ich Künstler und verlange daher die Realisierung meiner Ideen, zweitens bin ich höchst intensiv und drittens erwarten meine Auftraggeber von mir allerhöchste Konsequenz und Qualität.
[1] Der Auftrag, von dem hier die Rede ist, betrifft das posthume ›Keramische Wandbild‹ im Kasino des Kernforschungszentrums Karlsruhe. Die Entwürfe zu diesem Bild entstanden in den letzten Wochen vor Nays Tod. Ausgeführt wurde es in den Jahren 1968/69 von dem Keramiker Jörg von Manz.