um 1967/68

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Aufzeichnung um 1967/68

Weder jung noch alt. Wir waren in unserer Jugend – ich jedenfalls – nicht jugendbewußt, wie damals der ›Wandervogel‹, der Expressionismus, wie die heutige ›organisierte‹ Jugend. Wir waren einige Zeit Dandys wie die heutige Jugend. Auch über uns konnte man sagen, was Sartre sagte: Jugend ist eine bürgerliche Krankheit. Aber das war nur kurz und nicht ›organisiert‹. Wir waren Individualisten, schlossen uns nicht zusammen. Ich jedenfalls war ein Einzelgänger von Jugend an. Und die Jugend war ein kurzes Zwischenstadium. Wir mußten in mühseliger Zeit früh unser Geld selbst verdienen und das war, wie es immer ist, für den, der nicht hängen bleiben wollte, etwas hart. Zumal man nicht als Kind schon darauf aufmerksam gemacht worden war. Das habe ich sehr früh und sehr schnell erkannt. Und so kehrte ich dem Bürgertum in mir sehr frühzeitig den Rücken, aber im Gegensatz zur heutigen Jugend, Beat und Minirock, nicht um, wie diese, noch bürgerlicher zu sein. Denn es sind das alles Kinder begüterter Eltern, deren Protest der Anlauf zum vollkommenen Spießertum ist. In meiner Jugend trug man Schillerkragen und kurze Hosen; das kam vom Wandervogel, den Eltern aber gelegen, weil sie damit keine Kleidersorgen für die Kinder hatten – in jener Zeit nach 1918.

Jedenfalls damals wie heute [lebt] die Jugend mit der Devise: nicht engagieren. Das ist Dandytum. Mit etwa 17 Jahren war ich aus all dem heraus. Und das begann mit der äußerlichen Tatsache, Kleider für wertlos zu halten. Dann kam die geistige Loslösung, die dauerte nach [der] Schulzeit genau drei Jahre. Immer weiterhin allerdings Dandytum, d.h. ohne Engagement. Daß der Eros eine Kraft sei, schien ich damals zu glauben. Da nun engagierte ich mich. Aber bald merkte ich doch, daß in den Zwischenräumen die Kunst war, dann, wenn man allein war; der jugendliche Elan ermattete bald. Nach langen Jahren des Nichts kamen Befreiungsversuche.

Über den Autor

von E.W.Nay