ArchivJuli 2023

Februar/März 1968

Aufzeichnung von Februar/März 1968

Plage dich nicht mit der Vergangenheit, plage dich nicht mit der Zukunft, plage dich mit der Gegenwart, und damit willst du dich wohl plagen, denn das ist dein Talent – wenn ich eine Frau wäre, würde ich sagen: dein Charme! [...]

Februar/März 1968

Aufzcichnung von Februar/März 1968

Die lateinische Bezeichnung ›ars multiplicata‹ weist auf den früheren Brauch der Wissenschaftler und gebildeten Laien hin, sich möglichst lateinisch auszudrücken, einen Brauch, der nicht gerade ins 20. Jahrhundert paßt.

Dem kleinen Mann will man imponieren. Das ist eine bemerkenswerte Bloßstellung. [...]

Februar/März 1968

Aufzeichnung von Februar/März 1968

Der Positivismus des 19. Jahrhunderts ist abzulehnen. Nicht zu ersetzen durch das Numinose oder Mythische – dagegen durch den Geist des liberalen Menschen von heute.

15.3.1968

Aufzeichnung vom 15.3.1968

Wenn man, was realistisch ist, weiterhin annimmt, daß Kunst zwar jedermann gehört, aber nicht von jedermann verstanden werden kann, wenn man also feststellt, daß die letzte amerikanische Welle jedermann ansprechen soll, aber nur ganz wenige Leute Dinge dieser Welle kaufen können, dann kann man zu europäischen Maßstäben zurückkehren. Einige Kunsthändler in Westdeutschland haben sich dabei ins Fettnäpfchen gesetzt und bekommen – so freundlich geht man mit Künstlern nicht um – das Prädikat: utopisch! [...]

30.3.1968

Aufzeichnung vom 30.3.1968

Jetzt weiß ich, daß die Westdeutschen den Krieg verloren haben, denn sie knien vor der Kunst des Siegers, – ein Zitat aus der Gegenwart.

Mit Pinsel, Leinwand, in Ölfarbe malen, ist vollkommen überholt und veraltet, – ein weiteres Zitat der Gegenwart.

Die einzige Kunst der Welt kann nur vom reichsten Land der Welt kommen, dem Lande des Dollar. Auch ein Zitat!
Die Bewunderung des Siegers von 1945 hat 1968 drei Haken: [...]